| |
Ein faszinierendes Dokument
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Rezension bezieht sich auf: Menschheitsdämmerung: Ein Dokument des Expressionismus (Sondereinband) Der von K. Pinthus zusammengestellte Gedichtband "Menschheitsdämmerung" ist eines der repräsentativsten Dokumente des Expressionismus in der deutschsprachigen Lyrik und zugleich wohl das bedeutendste Denkmal für diese Strömung in der Literatur. Hier begegnet man weitbekannten Namen wie Trakl, Werfel, Benn und Becher, aber auch etwas weniger populären wie Iwan Goll, oder René Schickele. Insgesamt erweckt das Werk unterschwellig den Eindruck, der Expressionismus sei bereits vor oder um 1919 zu Grabe getragen worden. Die geradezu nachrufartig konzipierte Anthologie umfaßt Werke von 23, zum Teil vor Erscheinen bereits verstorbenen Dichterinnen und Dichtern, gruppiert in vier Blöcke: 'Sturz und Schrei', 'Erweckung des Herzens', 'Aufruhr und Empörung' und 'Liebe den Menschen'. In diesen Namen spiegelt sich ein Teil der 'expressionistischen Weltanschauung': Der große Sprachgestus zwischen aufbrausender Leidenschaft bei den einen (Franz Werfel: "Mein einziger Wunsch ist, dir, o Mensch, verwandt zu sein!") und distanzierter Schwere bei den anderen (Gottfried Benn: "Bett stinkt bei Bett. Die Schwestern wechseln stündlich.") begegnet Themen wie Krankheit, Krieg, Entfremdung, Revolution und auch politischer Klassenauseinandersetzung sowie berauschten Eindrücken von Morgendämmerung und Abendrot, den Verwandlungen in der Natur, Liebe und Gottesnähe. Interessant für alle die, die so etwas weiterlesen wollen, ist auch der Anhang mit biographischen Angaben zu allen Autorinnen und Autoren sowie bibliographischen Verweisen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 6. Dezember 1999 |